Bericht Hinter und Gross Fischerhorn 2014

Hinter Fischerhorn 4025m und Gross Fischerhorn 4049m

Gestern war ein Zwangsruhetag auf der Finsteraarhornhütte wegen schlechtem Wetter angesagt. Dank weniger Leute und einem prima Hüttenteam einigermassen akzeptabel. Da der Wetterbericht für den heutigen Tag auch erst ab Mittag besseres Wetter vorhersagt, beschliessen wir nicht so früh zu starten. 5:00 Uhr gibt es Frühstück und um 5:55 Uhr starten wir los. Steigen auf den Gletscher ab und ziehen die Steigeisen an. Steigen dann nur mässig ansteigend über den Fischerfirn bis zum Beginn des markanten Eisbruchs der den Talschluss rechts begrenzt. Das Wetter ist bescheiden, es fängt immer wieder an zu regnen, obwohl es Richtung Westen anfänglich besser aussieht. Versuchen den Gletscherbruch am ganz rechten Rand zu überwinden, hatten da vor zwei Tagen eine alte Spur vom Grünhorn aus gesehen. Allerdings artet das in eine kräftezehrende Wühlerei im beträchtlichen Neuschnee aus. Spur ist keine vorhanden, wir müssen alles spuren im z.T. hüfttiefen Schnee. Aber so nach und nach wühlen wir uns höher bis zu einer Randkluft unter uns, die wir überwinden müssen. Richten dann eine Abseilstelle ein und seilen uns über die Randkluft ab. Danach geht es etwas besser weiter, allerdings wird die Sicht weiter oben immer schlechter. Wir spuren im Blindflug weiter und versuchen auf einer Höhe von 3700m nach links zum dort vermuteten Fischersattel zu queren. Haben absolut keine Sicht und landen dann in einer üblen Spaltenzone. Ohne Vorwarnung steh ich plötzlich vor einer riesigen Spalte in der locker mehrere Häuser versenkt werden könnten. Da sitzt mir der Schreck im Nacken. Wir versuchen die Spalte links zu umlaufen, da wir da irgendwo den Fischersattel vermuten. Sind schon auf 3800m, der Sattel müsste also 100Hm über uns sein. Aber wir landen wieder in einer weiteren Spaltenzone mit riesigen Spalten. Null Sicht, keine Konturen, keine Gipfel sichtbar, nichts. Wissen dann nicht mehr wo wir uns da befinden und auch die Karte hilft uns nicht weiter. Müssen auf bessere Sicht warten. Haben eine einigermassen sichere Position und warten. In der ersten halben Stunde tut sich nichts, dichte Suppe. Dann blizt mal kurz die Sonne etwas durch und wir können ein bischen was erkennen. Über uns rechts und links grosse Spalten, mittendurch würde es weiter nach oben gehen, sieht aber nicht sicher aus mit den Spalten. Weiter nach links queren sieht auch nicht gut aus, da geht es eher wieder runter. Also erst mal weiter warten. Immer wieder kurze Lichtblicke, aber dann gleich wieder alles dicht. Nach einer Stunde dann wird es plötzlich besser und wir sehen die Landschaft um uns herum. Sind wohl zu früh nach links gequert. Gehen also wieder auf unseren vorhandenen Spuren zurück und umgehen die Riesenspalte rechts. Das ist der richtige Weg, steigen noch etwas nach oben und queren dann links zum nun sichtbaren Fischersattel. Die Erleichterung ist groß. Sehen jetzt, dass wir eigentlich von der Position gar nicht schlecht waren, nur etwas zu tief und da hatte es die grossen Spalten. Am Fischersattel 3923m ragen dann auch die Fischerhörner raus, sieht sehr gut aus. Deponieren unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum Hinteren Fischerhorn. Geht über Firn, eine Passage etwas steiler, und leichte Felskletterei zum Gipfel, den wir um 13:00 Uhr erreichen. Eigentlich wäre der Zeitplan gewesen um die Zeit spätestens auf dem Gross Grünhorn zu sein, aber egal. Steigen dann wieder ab, nehmen die Rucksäcke auf und machen uns an den deutlich längeren Grat zum Gross Fischerhorn. Anfänglich geht es mit leichter Kletterei II und Firn immer am Grat entlang. Leider ist die Sicht wieder deutlich schlechter geworden. Am grossen Gendarm kommt dann eine sehr unangenehme Stelle im Abstieg. Eine ca. 10m lange steile mit Firn überzogene Felsrinne, total ausgesetzt, mit anschliessender ebenfalls ca. 10m langer Querung zu einem Stand. Ich lasse Bernd runter und er sichert mich dann nach. Vielleicht hätte man die Stelle umgehen können, aber ohne Sicht war das nicht erkennbar. Der weitere Grat zum Gipfel ist dann nicht mehr so schwer und wir stehen um 14:45 Uhr am Gipfel des Gross Fischerhorn 4049m. Leider ist die Sicht wieder deutlich schlechter geworden. Wir beschliessen gleich weiter zu gehen und weiter unten ein Pause einzulegen. Im oberen Teil wird es dann gleich richtig steil, bestimmt 50°. Umgehen dann einen Felsen rechts, was sich als Fehler herausstellt, denn dadurch kommen wir ohne Sicht in noch steileres Gelände. Da ich nichts sehe, breche ich plötzlich ohne Vorwarnung über eine Wächte Richtung Nordosten ab und Bernd kann mich dank seiner schnellen und professionellen Reaktion gerade noch halten. Puh, das war sehr knapp. Dann kommt die Sonne wieder raus und wir sehen, dass wir zu weit rechts sind und queren zurück zum eigentlichen Grat. Es liegt viel Schnee am Grat ohne Spur und geht dann sehr sehr steil 50° weiter. Rechts und links pfeifft es gut runter, Fehler darf man sich hier keiner mehr erlauben. Immerhin ist die Sicht jetzt gut und wir können den ganzen Grat überblicken. Im mittleren Teil wird es dann etwas flacher, aber immer wieder kommen Passagen die rückwärts abzuklettern sind. Der Schnee ist sehr tief und wird durch die Sonneneinstrahlung nicht besser. Wir legen dann eine verdiente Pause ein und ahnen, dass der Weg zur Mönchsjochhütte noch sehr sehr zäh werden wird. Die Zeit schreitet auch immer weiter voran und an eine Abfahrt mit der Jungfraubahn ist nicht mehr zu denken.
Spuren dann mühsam weiter, immer wieder tiefes Einsinken, z.T. hüfttief, so dass man das Bein fast nicht mehr heraus bekommt. Wechseln uns dann ab mit Spuren, aber die Hütte will einfach nicht näher kommen. Auch als wir unten auf dem Gletscher auf vorhandene Spuren treffen, wird es nicht besser. Die 200Hm Gegenanstieg zur Hütte ziehen sich dann unendlich in die Länge und um 18:50 Uhr stehen wir dann fix und alle vor der Hütte. Immerhin haben wir es zum Abendessen um 19:00 Uhr rechtzeitig geschafft :-). Damit geht ein sehr intensiver und nervenaufreibender Tag noch gut zu Ende.

Dass aus den Fischerhörnern so eine Hammertour wird, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Da wir nun noch eine Nacht auf der Mönchsjochhütte verbringen, planen wir für morgen noch den Mönch bei einigermassen guten Wetterprognosen.

Aufstieg: 1535Hm
Gehzeit: 13 Std., davon 1 Std. warten auf besseres Wetter und ca. 20 Min. Pause
Start: 5:55 Uhr, Hinter Fischerhorn: 13;00 Uhr, Gross Fischerhorn: 14:45 Uhr, Mönchsjochhütte: 18:50 Uhr