Bericht Zinalrothorn 2015

Mittwoch, 26.08.2015 – Zinalrothorn 4221m

4:00 Uhr wecken durch die Hüttenwirtin. In der Nacht war es recht kühl in dem Raum, habe 2 Decken und zwei Schlafsäcke übereinander verwendet, damit es einigermassen warm wird. Aber viel Platz und dank Oropacs recht leise.
Frühstücken und machen uns langsam fertig für den Aufstieg. Wollen nicht so früh starten, denn sonst laufen wir so lange im Dunkeln. Alle Zinalrothornanwärter sind schon weg, als wir um 4:45 Uhr starten. Schon kurz nach der
Hütte betreten wir den Gletscher und schnallen die Steigeisen an. Die Route führt über den Gletscher empor bis unter eine nach links hoch ziehende Felsrinne. Die erste Seilschaft haben wir an der Rinne eingeholt, die steigen aber mit Steigeisen weiter,
da es oberhalb aber erstmal felsig wird, schnallen wir die Steigeisen wieder ab. Es geht dann erst Mal im leichten Fels weiter und bei der steilen Firnquerung schnallen wir die Steigeisen wieder an. Nach der Querung geht es dann
felsdurchsetzt mit Schneeauflage in leichtem Gelände weiter bis zum Gletscher. Über diesen zum Beginn des Felsaufbaus. Hier queren wir in leichter Kletterei nach links bis unterhalb der herabziehenden Rinne. Durch den Neuschnee ist
die Rinne in gutem Zustand, allerdings kommt durch die vor uns steigenden Seilschaften einiges herunter. Wir gehen erst mal in Deckung. Einige Seilschaften nehmen auch die Route über die linken Felsen, die wesentlich weniger steinschlaggefährdet ist.
Aber da nun anscheinend niemand mehr in der Rinne ist, versuchen wir den Aufstieg darin und kommen sehr flott voran. Nach kurzer Zeit stehen wir schon oben unterhalb der Gabel. Allerdings staut es sich hier und wir müssen warten.
Die im Fels aufgestiegenen Seilschaften müssen sich nun erst mal hinter uns einreihen. Ausser uns sind alle anderen Seilschaften mit Bergführern unterwegs. Weiter geht es kletternd bis unter die Binerplatten und über diese (III) auf den nächsten Absatz.
Hier liegt einiges an Schnee, was aber nicht stört. Kommen dann auf den eigentlichen Grat und folgen dem kletternd in Richtung Gendarme. Den ersten überklettern wir direkt, beim zweiten folgen wir der voraussteigenden Seilschaft rechts herum.
Das ist aber eine richtig unangenehme Stelle, sehr ausgesetzt und nicht mehr im III-Grad. Als ich drüber bin, sehe ich die nächste Seilschaft links herum kommen, das ist wohl die einfachere Variante. Man sollte halt nicht einfach nachsteigen,
sondern selber die Augen offen halten. Danach geht es dann einfacher weiter und der Gipfel ist bald erreicht.
Das Wetter ist super, die Temperaturen sind angenehm und zeitlich sind wir auch im Plan, so steht einer ausgiebigen Gipfelrast nichts im Wege. Die Aussicht ist fantastisch, im Osten direkt neben uns das gewaltige Weisshorn. Südöstlich die
Mischabelgruppe (Nadelgrat, Dom, Täschhorn, Alphubel, Allalinhorn, Rimpfischhorn, Strahlhorn), weiter südlich die Monte Rosa. Richtung Westen direkt neben uns das Obergabelhorn, dahinter Matterhorn, Dent d’Herens und Dent Blanche.
Bei der Aussicht kann man nicht meckern. Zwischenzeitlich sind wir ganz alleine am Gipfel und können uns kaum trennen. Aber es wartet ja noch ein schwieriger Abstieg auf uns. Nach einer halben Stunde Gipfelrast gehen wir dan Abstieg an.
Der gestaltet sich dann einfacher als befürchtet, da an den schwierigen Stellen abgeseilt werden kann. Ausnahme ist die Binerplatte, die wegen der Querung schlecht abseilbar ist. Da ist abklettern angesagt, was aber ganz gut geht.
Ab der Gabel kann ebenfalls in den rechten (von oben gesehen) Begrenzungsfelsen abgeseilt werden. Vom Ende der letzten Abseilstelle geht es im I-II Gelände bis zum Gletscher. Der schwierigste Teil ist nun geschafft. Im unteren Teil müssen wir
zwei mal die richtige Route suchen, da es im Aufstieg dunkel war und die Route durch die vor uns steigenden Seilschaften vorgegeben war. Aber dann ist der untere Gletscher erreicht und es sind nur noch wenige Meter zur Hütte.
Das Radler und der Aprikosenkuchen auf der Terasse sind jetzt wohlverdient.

Besprechen die weitere Planung. Bernd traut sich den Mischabelgrat auf das Täschhorn nicht zu, wollen statt dessen morgen auf die Domhütte und von dort über den Südgrat auf die Lenzspitze. Von der Lenzspitze dann über den Grat zum Nadelhorn und Abstieg
zur Bordierhütte. Möglich wäre dann noch das Dürrenhorn, falls die Rinne akzeptable Verhältnisse aufweist.

Nach einer Stunde Pause auf der Rothornhütte gehen wir den Abstieg nach Zermatt an. Auf der Moräne kommt uns einer mit Flip-Flops (kein Nepalese) und voller Ausrüstung auf dem Rücken entgegen. Was es nicht alles gibt!?
Kommen flott voran, aber der Abstieg will nicht enden. Im unteren Teil haben wir noch einmal eine tolle Sicht auf Dom und Täschhorn mit dem Mischabelgrat.

Sehr schöner Berg, lang anhaltende Kletterei in meist gutem Fels.

Aufstieg: 1100Hm Abstieg: 2700Hm
Start: 4:45 Uhr an der Rothornhütte, Gipfel: 9:15 Uhr, Zeit: 4,5 Std, 0,5 Std. Pause am Gipfel
Abstieg Gipfel: 9:45 Uhr, Rothornhütte: 14:45 Uhr, Zeit: 5 Std.
Abstieg ins Tal: 15:45 Uhr, Zermatt: 18:15 Uhr, Zeit: 2,5 Std.
Gesamtgehzeit: ca. 11,5 Std.
Gesamt: 13,5 Std.