Bericht Rochefortgrat 2015

Freitag, 28.08.2015 – Rochefortgrat – Aig. de Rochefort 4001m und Dome de Rochefort 4015

Kaum geschlafen in der Nacht, obwohl ich eigentlich ganz gut lag und nicht gefroren habe. Bernd ist ebenfalls schon vor dem Wecker wach und erzählt das Gleiche. Sind jedenfalls beide froh, dass es endlich los geht.
Gestern Abend 22:45 Uhr war ich noch mal kurz vor dem Zelt und da sah ich 4-5 Stirnlampen im Abstieg zwischen Dent d’Geant und Gletscher mitten in der Flanke. Wahrscheinlich habe die die letzten Sonnenstrahlen auf
dem Gipfel genossen und sind dann erst abgestiegen. Wir starten um 4:30 Uhr und sind die ersten unterwegs. Der Schnee ist eingermassen durchgefroren, wir kommen ganz gut voran und stehen schon recht bald vor dem Felsaufschwung.
Durch den Schnee ist die Route gut zu finden und so kommen wir auch recht flott durch die brüchige Flanke. Schon nach 2 Std. stehen wir am Fuß des Dent d’Geant. Zwischenzeitlich ist es schon hell geworden und demnächst müsste die Sonne aufgehen.
Der Grat sieht gut aus, Spur ist vorhanden. Allerdings hat die spektakuläre Wächte schwer gelitten, auf beiden Seiten klaffen riesige Spalten. Damit ist die Wächte nicht mehr begehbar. Wir starten auf dem schon auf den ersten Metern sehr schmalen
Grat und schon bald kommt die Sonne zum Vorschein. Der Mont Blanc wird vom Morgenrot angeleuchtet, super Stimmung. Der Grat ist zum Teil sehr schmal und rechts und links geht 2000m runter. Zwischndrin kommen immer mal wieder Felspassagen,
die aber gut machbar sind. Der Gipfelaufbau der Aig. de Rochefort ist dann felsig und steil. In gutem Fels und schöner Kletterei (II) geht es 4 Seillängen nach oben zum Gipfel. Am Gipfel der Aig. de Rochefort dann fantastische Aussicht auf das Mont Blanc Gebiet.
Richtung Osten direkt neben uns die Gran Jorasse, Nordöstlich Aig. Verte, Gran Rocheuse und Droites und Richtung Westen Mont Blanc mit Wolkenhaube. Von hier aus können wir erkannen, dass die Spur weiter zum Dome de Rochefort geht.
Da wir genug Zeit und den Dome eh auf dem Plan haben, geht es ohne grosse Pause weiter. Der Abstieg vom Aig. ist anfangs recht steil im Firn, wird dann aber flacher. Peilen den Aufschwung vor dem Dome an, der links umgangen wird.
Die Flanke liegt immer im Schatten und da hat sich einiges an pulvrigem Schnee gehalten. Da die Flanke immer steiler wird, recht unangenehm mit dem pulvrigen Neuschnee. Plötzlich hört die Spur auf. Die weitere Querung ist bei den Bedingungen nicht machbar,
die Gefahr eines Schneebretts zu gross und immer steiler werdend. Nach oben Eisflanke >50° mit 20 cm Neuschneeauflage und unklar, ob eine Überschreitung überhaupt möglich ist. Also zurück. Versuche dann noch etwas weiter vorne über den Bergschrund zu klettern,
was evtl. auch gehen würde, aber die Flanke oberhalb ebenfalls sehr steil, eisig und mit einem schwierig aussehende Felsteil dazwischen. Und eben nicht klar, ob es da überhaupt weiter geht. In allen Beschreibungen heisst es links umgehen.
Also bleibt nichts anderes übrig als umzudrehen, wäre der Gipfel nach dem Aufschwung doch so nah. Brechen an der Stelle ab und steigen zurück zur Aig. Nach einer Pause auf dem Gipfel beginnen wir den Rückweg. Den steilen Gipfelaufbau der Aig.
können wir komplett abseilen, Abseilstellen sind eingerichtet. Der Rochefortgrat liegt jetzt in der Sonne und ist der Traum. Steigen über diesen Traumgrat zurück mit vielen spektakulären Ausblicken. Vom Dent d’Geant geht es durch die brüchige Flanke abwärts,
die Schneeauflage ist noch recht griffig, da noch keine Sonne in der Flanke. Vom Gletscher zum Zelt ist der Schnee schon reht weich und wir brechen immer mal wieder ein. Stehen um 14:00 Uhr vor dem Zelt, haben also 9,5 Std. gebraucht, gute Zeit.
Bauen das Zelt ab, packen unsere Sachen zusammen und fahren mit der Bahn nach unten. Da wir früh dran sind, fahren wir zurück nach München.

Aufstieg: 1100Hm Abstieg: 1100Hm
Start: 4:30 Uhr, Gipfel Aig. de Rochefort: 7:55 Uhr, Zeit: 3:25 Std.
Rückkehr Dent d’Geant: 11:20 Uhr, Rückkehr Zelt: 14:00 Uhr
Gesamt: 9,5 Std.