Bericht Matterhorn 2012

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Aufstieg Rif. Carell 3829m   

Heute steht der lange Aufstieg zum Rif. Carell auf dem Programm. Füllen zuerst unsere Vorräte in einem Supermarkt auf. Nehmen genügend Wasser mit, denn auf der Hütte gibt es kein Wasser, evtl. Schnee zum Schmelzen. Sortieren dann die Ausrüstung und fahren mit der Bahn zum Plan de Maison.auf 2548m.

Blick aufs Matterhorn von Cervina
Ausrüstungscheck

Um 9:45 Uhr geht geht es querend und aufsteigend zum Rif. Ducca d’Abruzzi auf 2802m, das wir um 10:00 Uhr nach 1:15 Std. erreichen.
Stärken uns da noch mal mit einem Cappucino und gehen den Weiterweg um 10:30 Uhr an. Der Weg führt zuerst über gut zu bewältigende Felsstufen und Schutt unterhald des Testa del Leone. Unter dem steilen Felsaufbau des Testa del Leone queren wir unproblematisch dann zum Colle del Leone. Von hier ab geht es direkt am Liongrat weiter. Die Schwierigkeiten nehmen nun zu, die schwierigen Stellen sind mit Seilen versichert.

Von Plan de Maison geht es bei bestem Wetter los
Rif. Ducca d’Abruzzi 2802m
Colle del Leone mit Blick auf Dent d’Herens
In den steilen Platten

Eine 15-20m lange senkrechte Verschneidung mit glatten Platten wird sehr kräftezehrend mittels Fixseil erklommen. Sehr sehr anstrengend diese Stelle.

Seile in den schwierigen Stellen
Seile in den schwierigen Stellen
Seile in den schwierigen Stellen
Viel Luft unter dem Hintern

Um 15:30 Uhr erreichen wir das Rif. Carell, nach 5 Std. vom Rif. Abruzzo. Sind schon einige Leute da, können uns aber noch einen super Platz reservieren. Von der Hütte tolle Ausblicke ins Tal und in die Ferne. Von Westen bläst allerdings ein unangenehmer kalter Wind um die Ecke.

Blick ins Tal
Rif. Carell 3829m
Rif. Carell
Da gings rauf …
Verbindungsgrat zum Dent d’Herens
Hüttenleben

Geniesse dann lange die Sonne auf der Terasse in einer windgeschützten Ecke. Auf der Hütte ist ein ständiges kommen und gehen. Es bilden sich immer mehr Wolken und der Gipfel ist bald nicht mehr in Sicht. Auch die restlichen Berge haben immer mehr Wolkenhauben auf. Gegen später gibt es dann noch einen tollen Sonnenuntergang. Wir wollen morgen nicht zu früh starten, denn im Dunkeln mit kalten Fingern klettern muß nicht unbedingt sein. Also 5:15 Uhr aufstehen und 6:00 Uhr starten, so ist der Plan. Die Hütte ist gut voll, sogar ganz unter dem Dach sind eine Menge Leute.

Wolkenstimmung
Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

HM:
Aufstieg 1360 Hm

Zeiten:

Start Plan de Maison 9:45 Uhr
Rif. Abruzzi 10:00 Uhr, 1:15 Std.
Rif. Carell 15:30 Uhr, 5 Std.
insgesamt 6:15 Std. Gehzeit ohne Pausen

Matterhornüberschreitung Liongrat – Hörnligrat   

Ab 1:30 Uhr ist es vorbei mir der Ruhe. Die ersten bereiten sich vor für den Aufstieg. Ab da Tür auf, Tür zu, reinlaufen, rauslaufen, packen. Manche lassen dann auch gleich die Tür auf zum Schlafraum, es gibt schon rücksichtlose Kollegen. An Schlaf ist dann nicht mehr zu denken, einmal wach beschäftigen einem auch die Gedanken an den kommenden Tag. Wird alles gut gehen? Werden wir den Weg im Abstieg finden? Müssen wir mit vielen Leuten lange im Stau anstehen?
Stehen dann um 5:15 Uhr auf. Die meisten Leute sind schon unterwegs, so dass es für uns ohne Hektik abgeht. Frühstücken in Ruhe und starten dann um 6:00 Uhr pünktlich, wie geplant. Gleich nach der Hütte geht es gleich richtig los, es wartet das erste Fixseil. Es geht dann in der Flanke rechts vom Grat weiter nach oben. Nach ca. 45Min. werden wir Zeuge einer Hubschrauberrettung vom Grat. Direkt über mir wird eine Person geborgen. Was genau passiert ist konnte ich nicht erkennen. Der Hubschrauber nimmt drei Anläufe um den besten Platz für die Bergung zu finden. Für mich wird es recht unangenehm, denn der Hubschrauber wirbelt eine Menge Dreck auf und über mir brechen die Eiszapfen ab und fliegen in meine Richtung. Ich gehe mit dem Kopf nach unten in Deckung. Recht schnell ist der Hubschrauber aber dann auch wieder weg. Hoffentlich ist nichts Schlimmeres passiert.

Auf und Abstieg in voller Pracht
Unterwegs am Grat
Hubschrauberrettung vom Grat

Wir setzen dann unseren Weg fort und kommen recht bald an den eigentlichen Grat. Dort empfängt uns ein kräftiger eiskalter Wind, sehr unangenehm. Die folgenden Gendarme werden auf der rechten Seite umgangen. Das Gelände ist nirgends einfach, immer Klettergelände im I-III Bereich. An den schwierigeren Stellen Fixseile. Wir kommen dann am Pic Tyndall an und können von da die weitere Route gut überblicken. Vom Pic Tyndall steigt man den immer schmäler werdendenden Grat ein Stück ab. Auch hier kein einfaches Gelände. Nach einer Abseilstelle wird am tiefsten Punkt die Scharte mit einem großen behertzten Schritt überwunden.

Unterwegs am Grat
Unterwegs am Grat
Abseilstelle am Pic Tyndall

Nun folgt der Gipfelaufbau, mit weiteren Fixseilen und einer Leiter in einem überhängenden Absatz. Wir erklimmen die Leiter mit Steigeisen.

Fixseile am Gipfelaufbau
Leiter am Gipfelaufbau
Leiter am Gipfelaufbau
Fixseil im oberen Teil

Nach weiteren Fixseilen ist der Gipfel tatsächlich um 13:00 Uhr nach 7 Std. erreicht. Die Freude ist groß!!! Einfach gigantisch. Allerdings bläst am Gipfel ein kräftiger kalter Wind. Wir müssen aufpassen, daß es uns nicht vom Gipfel weht. Die Aussicht ist fantastisch, freie Sicht nach allen Seiten. Wir sind ganz alleine am Gipfel, kaum zu glauben. Suchen uns dann auf der ital. Seite ein windgeschütztes Plätzchen kurz vor dem Gipfel und machen eine wohlverdiente Pause. Später kommen dann noch zwei Spanier über den Liongrat.

Kurz vor dem Gipfel
Gipfel erreicht
Grosse Freude!!!
Ital. Gipfel mit Übergang

Der Übergang vom ital. Gipfel zum schweiz. Gipfel hat es dann auch in sich. Sehr ausgesetzt und z.T. etwas eisig. Auf dem schweiz. Gipfel ist dann etwas mehr Platz, aber mit mehrereren Personen dürfte es auch da recht eng werden. Da es sehr unangenehm am Gipfel ist, starten wir um 13:30 Uhr den Abstieg über den Hörnligrat. Über den oberen felsigen Teil seilen wir ab.

Auch der Übergang hat es in sich
Schweizer Gipfel
Blick vom schweiz. Gipfel zum ital. Gipfel
Abseilen über den felsigen Gipfel

Die folgenden steilen Platten mit Schneeauflage lassen sich ebenfalls gut abseilen, genügend Sicherungshaken sind vorhanden. Danach kommen die Fixseile, die sich ohne Gegenverkehr auch recht gut abseilend überwinden lassen. Zwischendrin kommen uns zwei Bayern im Aufstieg entgegen. Ganz schön spät dran. Nach immer wieder abseilen, abklettern, abseilen, abklettern ist endlich die Solvayhütte in Reichweite. Wir sind spät dran, es ist schon 17:00 Uhr. Die Hütte ist recht dreckig innen, für eine Notübernachtung aber gut geeignet. Nach der Solvayhütte seilen wir übe die Mosleyplatten ab. Wenig Leute unterwegs, meistens sind wir ganz alleine im Abstieg.

Steile Platten mit Schneeauflage
Solvayhütte
Abseilstelle nach der Solvayhütte

Danach wird die Wegfindung nicht mehr ganz einfach. Wir achten darauf, nicht zu weit in die Ostwand abgedrängt zu werden. Das gelingt uns dann auch recht gut. Immer wieder abseilend unf abkletternd geht es nach unten. Die Hörnlihütte ist immer in Sicht, kommt aber einfach nicht näher. Das gibt es doch gar nicht. Das Gelände wird jetzt etwas einfacher und wir kommen schneller voran. Geben jetzt auch noch mal etwas Gas, denn im Dunkeln mit Stirnlampe den Weg zu finden, das stelle ich mir als Horror vor. Steigen dann durch die drei Couloirs ab, klappt ganz gut. So langsam kommt die Hütte näher. Sind schon fast bei der Hütte, da kommt noch einmal ein Fixseil. Aber dann ist es geschafft, wir stehen um 20:30 Uhr vor der Hörnlihütte, ziemlich platt.

nicht leichte Wegfindung
Sonnenuntergang in der Monte Rosa
Hörnlihütte in Griffweite
… und noch mal ein Fixseil

Überlegen noch bis zum Schwarzsee abzusteigen, denn von der Hörnlihütte hört man ja nicht viel Gutes, überfüllt, unfreundlich, usw. Schauen dann aber erst mal rein und werden positiv überrascht. Die Wirtin ist recht freundlich, Übernachtung gar kein Problem und zu Essen gibt es noch eine Suppe mit Brot und ein Bier. Das zweite Bier gibt es dann mit Stirnlampe, denn da wir noch die Einzigen sind, wird der Strom abgeschaltet. Im Abstieg hatten wir noch mehrere Seilschaften überholt. Einige davon sieht man jetzt mit den Stirnlampen am Berg, z.T. noch ziemlich weit oben. Von den Bayern haben wir nichts mehr gesehen, vielleicht übernachten die in der Solvayhütte. In der Hörnlihütte ist schon für das Frühstück der nächsten Gipfelstürmer gedeckt, auch nicht wirklich viele Leute. Wir beziehen dann unser Lager und haben auch da reichlich Platz. Können uns ohne Probleme ausbreiten.

Am nächsten Morgen dann Frühstück um 6:00 Uhr. Auch hier nicht so viele Leute. Beim Abstieg zum Schwarzsee ergeben sich immer wieder spektakuläre Rückblicke auf das Geleistete. Fahren dann mit der Bahn auf das Kleine Matterhorn. Steigen von dort über die Piste auf die ital. Seite und fahren weiter mit der Bahn nach Cervina.

Rückblick beim Abstieg am nächsten Morgen
Rückblick beim Abstieg am nächsten Morgen
Super Sache!!!!!!!

Fazit: Sehr sehr lange Tour. Für den Aufstieg deutlich länger gebraucht als gedacht, für den Abstieg ebenfalls deutlich länger gebraucht als gedacht.
Viel mehr Klettergelände als gedacht, viel weniger leichtes Gelände als gedacht. Sehr beindruckende, nicht zu unterschätzende Tour.

HM:
Aufstieg 850 Hm, Abstieg 1220 Hm

Zeiten:
Start Rif. Carell 6:00 Uhr
Gipfel 13:00 Uhr, 7 Std.
Abstieg 13:30 Uhr
Hörnlihütte 20:30 Uhr, 7 Std.
Gesamt: 14 Std. ohne Pausen